Schweizer Schülerduden laut SOK „unbrauchbar“

Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) hat an ihrer sechsten Tagung vom 20. Mai in Zürich den Schweizer Schülerduden als „unbrauchbar“ bezeichnet. Das für Schulen verbindliche Referenzwerk unterschlage zahlreiche auch nach neuer Rechtschreibung gültige herkömmliche Varianten. Werde nach ihm korrigiert, würden den Schülern richtige Schreibweisen als Fehler angestrichen, was ein Skandal sei. Die SOK fordert deshalb, den von den beiden Schweizer Reformern Peter Gallmann und Thomas Lindauer herausgegebenen Schülerduden zurückzuziehen.

Der Schülerduden konterkariere die Bestrebungen des Rates für deutsche Rechtschreibung noch dreister als der Duden, so die SOK weiter. Dieser gibt bei Variantenschreibungen eine Empfehlung für eine bestimmte Schreibweise ab. Besonders bei der umstrittenen Getrennt-/Zusammenschreibung wird dabei häufig die reformierte Getrenntschreibung empfohlen. Der Rat hat diese Einschränkung, die seinen Intentionen zuwiderlaufe, scharf kritisiert.

Mitveranstalter der unter dem Titel „Sprachsicherheit“ stehenden Tagung war der neugegründete Verein Medienkritik Schweiz. Erstmals wirkte auch der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS mit. Der AdS weist in einer Eingabe an die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur auf die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Lage hin und unterstützt den Weg der SOK. Erstunterzeichner sind Jürg Amann, Urs Faes, Thomas Hürlimann, Charles Linsmayer, Pirmin Meier, Klaus Merz, Adolf Muschg, Suzann-Viola Renninger, Peter von Matt, Gisela Widmer, Urs Widmer, Peter Zeindler.

In einem von Nationalrat Filippo Leutenegger moderierten Podium zeigte sich, dass man nach wie vor von einer einheitlichen und sprachrichtigen Rechtschreibung weit entfernt ist. Es diskutierten: Nicole Pfister Fetz (AdS), Gottlieb F. Höpli (Verein Medienkritik Schweiz), Dr. Ludwig Laher (IG Österreichische Autorinnen und Autoren, Rat für deutsche Rechtschreibung), sowie Prof. Dr. Rudolf Wachter (Universitäten Basel und Lausanne, SOK).

Ludwig Laher berichtete, dass die Autorinnen und Autoren Österreichs in einem Vertrag mit den Schulverlegern erreicht haben, dass ihre Texte in Schulbüchern nicht ohne ihre Zustimmung an neue Normen angepasst werden dürfen. In den Schulbüchern Österreichs werden damit wieder literarische Texte in herkömmlicher Rechtschreibung erscheinen. Dies wertet auch die SOK als wichtigen Erfolg im Kampf gegen amtlich verordnete Eingriffe in Sprache, Schrift und Gestalt eines Textes.

In der SOK sind Vertreter der Presse, der Literatur und der Sprachwissenschaft vereinigt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur zu fördern. Ihre wichtigste Empfehlung, „Bei Varianten die herkömmliche“, wird in der Schweizer Presse weitgehend umgesetzt. Auch weitere Empfehlungen der SOK werden befolgt, und sie wirken zunehmend auch in Deutschland.

Zürich, 20. Mai 2010

Nationalrat interessiert sich für das Thema

19. Juni 2009

Bern (sda) Das Chaos in der deutschen Rechtschreibung beschäftigt das Parlament. Die Nationalratskommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) will sich des Themas annehmen, wie die Parlamentsdienste am Freitag mitteilten.

Ab 1. August dieses Jahres sollten die Neuerungen in der deutschen Rechtschreibung in den Schweizer Schulen „notenwirksam“ werden. Die Debatte und die Widerstände halten aber an. Die WBK wird sich deshalb mit der Problematik befassen „und gegebenenfalls auch mit anderen Beteiligten an der politischen Diskussion teilnehmen“.

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Schweizer Fachjournalisten unterstützen SOK-Resolution

16. Juni 2009

In einem Brief vom 16. Juni 2009 an den Generalsekretär der EDK, Hans Ambühl, unterstützt der Verband der Schweizer Fachjournalisten die Resolution der SOK für ein Moratorium in der Rechtschreibfrage.

Die Widersprüche des Regelwerks und der Reformen hätten auch für Fachzeitschriften und Fachjournalisten zu Problemen geführt. Deshalb müssten alle herkömmlichen Schreibweisen ohne Unterschied anerkannt sein, ohne Bevorzugung einer Reform-Schreibweise, schreibt der Verband SFJ.

Unterschrieben ist der Brief vom Präsidenten des Verbands SFJ, Martin Stadelmann.

SOK fordert Rechtschreibmoratorium

4. Juni 2009

Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) ruft die politisch Verantwortlichen in Bund und Kantonen auf, die Rechtschreibreform am 1. August 2009 in den Schulen nicht notenwirksam werden zu lassen. Am 31. Juli 2009 geht die dreijährige Übergangsfrist, während der die herkömmlichen Schreibungen noch toleriert wurden, zu Ende.

In einer an der Frühlingstagung vom 4. Juni 2009 in Zürich einstimmig gutgeheissenen Resolution fordert die SOK ein Moratorium für Schule und Verwaltung. Das amtliche Regelwerk von 2006 und die Lehrmittel seien widersprüchlich und mit Fehlern behaftet. Alle herkömmlichen Schreibungen müssten wieder anerkannt und auf die Bevorzugung von Reformschreibungen müsse verzichtet werden.

Die Unzufriedenheit mit dem mittlerweile dritten amtlichen Regelwerk sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung packe die anstehenden Verbesserungen nicht zügig genug an. Zeitungen, Verlage und Verwaltungen gäben sich Hausorthographien mit ganz unterschiedlichen Schreibweisen. 2008 haben die Chefredaktorenkonferenz und der Verband Schweizer Presse beschlossen, sich die Empfehlungen der SOK (www.sok.ch) zu eigen zu machen. Die SOK sei bereit, bei einer Überarbeitung des Regelwerks 2006 für schweizerische Bedürfnisse mitzuwirken.

An der Tagung nahmen neben Sprachwissenschaftern u. a. Chefredaktoren und Chefkorrektoren, Verleger, Lektoren und Schriftsteller, National-, Kantons- und Gemeinderäte, Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung sowie Gäste aus Deutschland und Österreich teil.

Prof. Rudolf Wachter (Universitäten Basel und Lausanne) wies in seinem Referat nach, wie die Rechtschreibreform langfristige Entwicklungstendenzen in der Gross-/Klein- und der Zusammen-/Getrenntschreibung mutwillig ignoriert oder sogar umzukehren versucht hat.

Gymnasiallehrer Stirnemann zeigte anhand von Wörterbüchern und Beispielen aus der Literatur, dass den Reformern auch einfachste Sachverhalte entgangen sind. Deswegen steht die neue Rechtschreibung bis heute im Widerspruch zur Sprachwirklichkeit.

In einem Podium unter der Leitung von Kantonsrätin Eva Nietlispach (SG) führte Nationalrätin Kathy Riklin aus, dass ihr 2004 eingereichtes und vom Bundesrat zustimmend beantwortetes Postulat – die Möglichkeit der Bedeutungsdifferenzierung in der Zusammen- und Getrenntschreibung wieder einzuführen – nicht wunschgemäss umgesetzt worden sei. Die Autoren Gisela Widmer und Jürg Amann erzählten von den Schwierigkeiten, die die Variantenflut und die Unsicherheit selbst bei Lektoren und Korrektoren bei der Arbeit mit verschiedenen Verlagen mit sich bringt. Alt Chefredaktor Gottlieb F. Höpli vom St. Galler Tagblatt und Suzann-Viola Renninger von den Schweizer Monatsheften berichteten von den guten Erfahrungen bei der Umstellung ihrer Medien auf die SOK-Rechtschreibung. Peter Müller von der SDA schliesslich kündigte eine Rechtschreibhilfe nach SOK-Empfehlungen für Textverarbeitungsprogramme an.

In der SOK sind Vertreter der Presse, der Literatur und der Sprachwissenschaft vereinigt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur zu fördern.

bereinigte Teilnehmerliste

Meldung SDA (erschien in verschiedenen Zeitungen und Online-Portalen)
Bericht NZZ
Bericht St. Galler Tagblatt
Beitrag Schweizer Radio DRS (Text / Ton 2,1 MB)
Beitrag Radio Central (Ton 4,1 MB)
Bericht Stolz-Verlag
Bericht Walliser Bote