Sehr geehrte Damen und Herren
Wir wälzen bei der Formulierung einer Publikation ein sprachliches Problem, es geht um den Ausdruck
- Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und dessen Ehefrau Anna
Die einen sagen, das sei korrekt so, die andern, so könne es nicht heissen, es müsse heissen,
- Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und von dessen Ehefrau Anna
weil es nicht heissen könne, «der Sohn dessen Ehefrau». Was meinen Sie?
P. M.
14.7.2025
Der Einwand ist richtig: da es nicht heissen kann «der Sohn dessen Ehefrau», ist auch die längere Form falsch, und es braucht zur Korrektur in der Tat ein von.
Allerdings führt dies zu einer etwas holprigen Formulierung, «der man das Bemühen um grammatische Korrektheit von weitem anmerkt» (Rudolf Wachter).
Ein eleganterer Ausweg, aber vielleicht in Ihrem Fall nicht möglich, wären die Formen
- Die Eltern Paul Schmids sind der Landwirt Peter Schmid und dessen Ehefrau Anna
oder:
- Paul Schmid ist der Sohn von Landwirt Peter Schmid und dessen Ehefrau Anna
Der einfache Ersatz von dessen durch seiner werden viele ablehnen, weil theoretisch ein Fehlbezug möglich wäre:
- Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und seiner Ehefrau Anna
(Ehefrau von Paul Schmid oder Peter Schmid?) Um den Fehlbezug zu vermeiden, wurde in Ihrem Beispiel ja eben dessen statt seiner gewählt.
Das Problem der beanstandeten Form liegt darin, dass der Genitiv beim Bezugsnomen Ehefrau nicht erkennbar (nicht «markiert») ist.
Exkurs: Interessant ist die Frage, ob das Problem mit einem Bezugsnomen mit erkennbarem Genitiv gelöst wäre, z. B.:
- Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und dessen Verlobter Anna
Entgegen dem im Duden unter dessen aufgeführten Beispiel die Ankunft meines Bruders und dessen Verlobter ist dies gemäss Gisela Zifonun, der ehemaligen Leiterin der Abteilung Grammatik am Institut für deutsche Sprache (IDS), weiterhin falsch. Sie hat die Situation, wenn dessen auf einen Genitiv trifft, umfassend beschrieben und erläutert das vorliegende Problem anhand des Beispiels «im Beisein dessen Nachfolgers Thomas Locher». Sie kommt wegen der Verschachtelung zweier Genitive («dessen Nachfolgers» in «im Beisein Nachfolgers») zum Schluss: «Zugespitzt gesagt: im Beisein dessen Nachfolgers ist im Prinzip genau so falsch wie im Beisein Nachfolgers, nur merkt man’s nicht so leicht.» Übertragen auf unser Beispiel: Der Sohn dessen Verlobter ist im Prinzip genau so falsch wie der Sohn Verlobter.
Für eine korrekte Formulierung müsse nämlich nicht nur die Erkennbarkeit des Genitivs im Bezugsnomen (dem «appellativischen Substantiv») gegeben sein. Der Genitiv eines appellativischen Substantivs könne nur in einer Nominalgruppe mit einem sogenannten «kongruierenden Begleiter» erscheinen; dessen genüge als kongruierender Begleiter nicht, weil der Genitiv bei Verlobter und der bei dessen nicht in der geforderten Kongruenzbeziehung stünden.
Damit wäre laut Zifonun erst eine Form mit einem kongruierenden Begleiter korrekt, also z. B.
- Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und dessen heutiger Verlobten Anna
Ob man dem zustimmt oder die im Duden unter dem Stichwort dessen erwähnte Form ohne kongruierenden Begleiter akzeptiert, wird auch bei uns unterschiedlich entschieden.
Peter Müller, SOK