Grusswort des neuen Präsidenten

Liebe SOK-Mitglieder, zugewandte Orte und Freundinnen und Freunde der deutschen Sprache,

Heute, am 1. Juni 2026, haben wir den 20. Jahrestag der Gründung der SOK gefeiert. Unser Doyen, Dr. Dr. h. c. Urs Breitenstein, hat dabei das Präsidium nach zwölf Jahren an mich übergeben. Ich danke Urs in unser aller Namen ganz, ganz herzlich für seine grosszügige, stets nach vorne blickende und unablässige Ermunterung und Optimismus verströmende Führung unserer Vereinigung und unserer engeren Arbeitsgruppe. Wir alle hoffen, dass er sich weiterhin aktiv an unserer Arbeit wird beteiligen können. Diese geht weiter, und ich werde sie – von Dankbarkeit dem ganzen Team gegenüber und zuversichtlichem Elan getragen – weiterführen.

Ich erinnere mich genau, wie entrüstet wir waren, als im Frühjahr 2006 die «Reform der Reform» zuerst in Umrissen, dann immer klarer sichtbar wurde: Ausser dass Es tut mir Leid nach zehnjährigem Obligatorium wieder für falsch erklärt wurde (seither gilt wieder leid), wurde fast nichts wirklich in Ordnung gebracht. Am 11. Mai 2006 faßte die Mitgliederversammlung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung folgende Resolution:

Die inzwischen erfolgte Reform der Rechtschreib‚reform‘ ist zwar sehr zu begrüßen. Doch enthält das vorliegende Ergebnis noch so viele gravierende Mängel, daß auf seiner Basis die Wiederherstellung einer überwiegend einheitlichen Schreibung nicht gelingen kann. Es empfiehlt sich daher keineswegs, es bei dieser noch durchaus unbefriedigenden Lösung zu belassen und sie als längerfristig gültig anzusehen. Dadurch würden die notwendigen weiteren Reformen sehr erschwert.

Auch wir waren optimistisch, dass der Rat für deutsche Rechtschreibung bald weitere Mängel beheben würde. Dieser Optimismus ist uns – und vielen anderen – in den letzten 20 Jahren leider abhanden gekommen: Nach wie vor, seit nunmehr 30 Jahren, ist es amtlich verboten, das altbewährte deutsche Wort jedesmal zu verwenden. Ebenso können wir seit 1996 nicht mehr wissen, ob mit einem wohl bekannten Mangel ein allen bekannter oder ein eher unbekannter Mangel gemeint ist. Und in einem Satz: Nur wenige hörten aufmerksam zu, einige schliefen, einzelne schnarchten laut, schreiben wir wenige und einige zwar seit jeher klein, einzelne muss seit der Reform 1996 aber gross geschrieben werden.

Auf diese und Dutzende weiterer Reformregeln, die unsere Rechtschreibung aus dem Gleichgewicht geworfen haben, legen wir von der SOK seit Anbeginn an unseren Tagungen und in zahlreichen Publikationen unseren Finger. Die Politiker haben vor zwanzig Jahren – aus Angst vor der Peinlichkeit eines Scheiterns der Reform – mit dem Rat für Rechtschreibung eine Mauer um die Reform gezogen, schlecht beraten von einer Lobby, die ihnen die Mängel der Reform vorenthielt. Das ist definitiv nicht mehr zeitgemäss und hat grossen Schaden angerichtet. Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Die SOK bittet die heutigen, jüngeren Politiker, die Rechtschreibpolitik ihrer Vorgänger zu überdenken und gründlich zu revidieren (s. unser Manifest). Gleichzeitig ermutigt sie alle Deutschschreibenden, die verfehlten Regeln des «amtlichen Regelwerks» (dem auch der Duden weitgehend folgt) kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu ignorieren. Vertrauen Sie Ihrem Sprachgefühl! Schreiben Sie weiterhin (oder wieder) jedesmal, genau wie dreimal und manchmal. Das Wort war vor der Reform 500 Jahre lang ganz alltäglich, und die meisten verwenden es auch heute noch munter weiter, obwohl es seit 30 Jahren «amtlich falsch» ist. Schreiben Sie ruhig auch: Das macht sie nicht zum erstenmal. Auch diese Zusammenschreibungen des unbetonten -mal hatten seit vielen Jahrhunderten gegolten, sind aber heute «falsch». Oder schreiben Sie: Der eine will …, der andere macht …, der dritte aber sagt … Ich garantiere Ihnen: Die Reformer und das gültige «amtliche Regelwerk» haben keine vernünftige Erklärung dafür, warum sie uns seit 1996 zwingen, der Dritte mit Grossbuchstaben zu schreiben, der eine und der andere aber nicht! Es handelt sich um eine verfehlte neue Regel, durchgesetzt mit schierem Powerplay.

Im Bewusstsein, nicht nur die besseren Argumente, sondern auch die Mehrheit hinter uns zu haben, lassen wir auch nach 20 Jahren nicht locker in unserem Vorhaben, den 100 Millionen Deutschsprachigen wieder zu einer von unwissenschaftlicher Willkür und fehlgeleitetem Staatsinterventionismus befreiten Rechtschreibung zu verhelfen, die autonom und mittels der Schwarmintelligenz aller Deutschschreibenden und ‑lesenden ihren einheitlichen und sprachrichtigen Idealzustand findet und sich anschliessend wieder selbständig weiterentwickeln kann.

Damit Sie sich selber Ihre Meinung bilden und aktiv mithelfen können, dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen, stellen wir Ihnen hier zahlreiche kürzere und längere, bewährte und neue Texte und Schriften zur Verfügung. Wir wünschen Ihnen eine erbauliche Lektüre und freuen uns auf viele Reaktionen (kontakt@sok.ch).

Mit freundlichen Grüssen,

Rudolf Wachter,
Präsident

 

 

 

 

Der Sohn des Landwirts Peter Schmid und dessen Ehefrau Anna?

Sehr geehrte Damen und Herren

Wir wälzen bei der Formulierung einer Publikation ein sprachliches Problem, es geht um den Ausdruck

  • Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und dessen Ehefrau Anna

Die einen sagen, das sei korrekt so, die andern, so könne es nicht heissen, es müsse heissen,

  • Paul Schmid ist der Sohn des Landwirts Peter Schmid und von dessen Ehefrau Anna

weil es nicht heissen könne, «der Sohn dessen Ehefrau». Was meinen Sie?

P. M.

14.7.2025

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Diminutiv von «Boot»

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich habe einmal gelernt, dass es keine Doppel-Umlaute gibt und dass z. B. der Plural von «Saal» «Säle» geschrieben wird oder dass der Diminutiv von «Boot» «Bötchen» geschrieben wird.

Eben habe ich auf der Homepage des schweizerischen Fernsehens das Wörtchen «Böötli» gelesen. Da die Endung für die Rechtschreibung keine Rolle spielen dürfte, habe ich mich gefragt, ob es im Schriftdeutschen in der Schweiz Doppel-Umlaute gibt, denn reine Mundart, wo eigene Regeln gelten dürften, ist der Diminutiv ja nicht. Würden Sie die Schreibweise «Sääle» empfehlen?

I. F.
24.6.2025

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Kongruenz

Sehr geehrte Damen und Herren

Kürzlich las ich in einem Artikel:

  • Im Zuge der Reformation wurden das Kloster aufgehoben und der Kirchensatz verstaatlicht.
  • Dabei wurden die Empore entfernt und zwischen den Bänken ein Gang eingeführt.

Sollte es hier nicht wurde heissen?

A. D.
6. April 2025

 

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